{"id":4725,"date":"2026-02-10T10:22:15","date_gmt":"2026-02-10T09:22:15","guid":{"rendered":"http:\/\/wp1.com\/?p=4725"},"modified":"2026-02-11T14:55:00","modified_gmt":"2026-02-11T13:55:00","slug":"buecher-mueller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nnteam.de\/?p=4725","title":{"rendered":"B\u00fccher M\u00fcller"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie versprochen schicke ich euch einige Fotos und Geschichten von Urur-Opas Laden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"333\" height=\"518\" src=\"https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155809.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4726\" style=\"width:426px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155809.jpeg 333w, https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155809-193x300.jpeg 193w\" sizes=\"auto, (max-width: 333px) 100vw, 333px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Haus in Offenburg, in der Gerberstra\u00dfe Nr. 5., wohnten wir mit unseren Gro\u00dfeltern. Im Erdgeschoss war \u201eUrur-Opas Laden\u201c &#8211; Leih-B\u00fccherei, Geschenkartikel, Schreibwaren, Krimskrams. Morgens stellte Urur-Opa Erich Werbe-Aufsteller f\u00fcr Zeitungen vor den Laden. Weil Opa Erich fr\u00fcher Konditor war, stand er immer sehr fr\u00fch auf. Gegen 4 Uhr konnten die ersten Kunden, die zur Fr\u00fchschicht gingen, schon f\u00fcr 5 oder 10 Pfennige die BILD-Zeitung kaufen.<br>Sonntags war der Laden geschlossen. Opa Erich war aber trotzdem schon wach. Sp\u00e4testens um 5 Uhr machte er die T\u00fcr zum Wohnzimmer auf. Dort lag ich in meinem Bett und stellte mich schlafend, weil ich noch nicht aufstehen wollte. Sp\u00e4testens nach \u00bd Stunde schaute er wieder rein. Er brummte: \u201eWie kann man nur so lange schlafen \u2026\u201c mit der Zeit wurde er immer ungeduldiger und lauter. \u201e\u2026 immer noch nicht wach \u2026\u201c Sp\u00e4testens um 7 Uhr wars ganz aus mit der Ruhe und ich stand auf.<br>Im 1. Stock wohnten Oma Hedwig und Opa Erich in 2 kleinen Zimmern. Es gab noch einen gr\u00f6\u00dferen Raum, das Lager f\u00fcr das Gesch\u00e4ft. In vielen gro\u00dfen Regalen wurde der Nachschub aufbewahrt, f\u00fcr den im Laden kein Platz mehr war. Au\u00dferdem gab es ein Klo und daneben ein Bad mit Badewanne und \u201eWurstkessel\u201c, in dem das Wasser f\u00fcr das w\u00f6chentliche Bad geheizt wurde.<br>Im 2. Stock wohnten Brigitte und ich mit unseren Eltern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"850\" height=\"573\" src=\"https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155845.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4727\" srcset=\"https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155845.jpeg 850w, https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155845-300x202.jpeg 300w, https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155845-768x518.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Urur-Oma Hedwig und Urur-Opa Erich (Eltern von Ur-Opa Erwin). Ich lasse die Urs mal weg, das artet sonst ja aus. Oma Hedwig schaut so grimmig, wie sie meistens auch war. Opa Erich sieht etwas m\u00fcde aus. Er hatte aber meistens gute Laune, au\u00dfer wenn er gerade mit Oma Hedwig gestritten hatte. Er machte auch gerne Witze.<br>In den Regalen seht ihr Stifte, Pinsel, Schulhefte, Papier aller Art, etc.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"728\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155929_002-728x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4728\" srcset=\"https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155929_002-728x1024.jpeg 728w, https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155929_002-213x300.jpeg 213w, https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155929_002-768x1080.jpeg 768w, https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-155929_002.jpeg 862w\" sizes=\"auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Laden war ein Familien-Gesch\u00e4ft. Oma Elisabeth (meine Mutti) arbeitete als Verk\u00e4uferin. Opa Erwin (mein Vati) war Fotograf und arbeitete in einem Fotogesch\u00e4ft. Er entwickelte in der Dunkelkammer Fotos. Wenn er von der Arbeit nach Hause kam half er im Laden. Er \u00fcbernahm z.B. die Schaufenster-Deko.<br>F\u00fcr mich war der Laden ein sch\u00f6ner Spielplatz. Ich rannte von vorne nach hinten und wieder zur\u00fcck. Mitten im Laden gab es eine S\u00e4ule. Ich fasste mich mit einer Hand an und rannte rundherum und anders herum.<br>Nur wenn Kunden kamen musste ich still sein. Ich verdr\u00fcckte mich in eine Ecke oder st\u00fcrmte nach oben in unser Wohnzimmer.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"836\" height=\"560\" src=\"https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-160105.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4729\" srcset=\"https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-160105.jpeg 836w, https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-160105-300x201.jpeg 300w, https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-09-160105-768x514.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 836px) 100vw, 836px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Maria war unsere Verk\u00e4uferin. Ich habe sie geliebt. Sie war immer fr\u00f6hlich und hat Sp\u00e4\u00dfe mit mir gemacht, hat mich gejagt, gefangen und gekitzelt. Nat\u00fcrlich nur, wenn keine Kunden da waren.<br>Wenn ihr dieses Bild mit dem zweiten vergleicht, dann seht ihr einen Unterschied. Den Zeitschriften-St\u00e4nder in der Mitte hat Opa Erwin gebaut. So sind alle Hefte und Romane \u00fcbersichtlich angeordnet. Vorher lagen sie immer auf dem Tisch und sind verrutscht, wenn jemand was gesucht hat.<br>Hinter dem St\u00e4nder war die Registrier-Kasse versteckt. Da wurden alle Einnahmen eingetippt. Links neben dem St\u00e4nder, hinten an der Wand, hing sp\u00e4ter unser Telefon. Opa Erich war sehr stolz darauf. Er konnte jetzt mit dem Gro\u00dfh\u00e4ndler telefonieren, wenn er etwas bestellen wollte. Als ich etwa 10 oder 11 Jahre alt war wurde ich immer geschickt, die Waren abzuholen. Ich fuhr mit dem Fahrrad zum \u201eGrossist\u201c und besorgte alles.<br>Brigitte und ich durften nicht telefonieren. Es h\u00e4tte auch gar keinen Zweck gehabt. In meiner Klasse gab es nur eine Mitsch\u00fclerin, deren Eltern auch ein Telefon hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"585\" height=\"414\" src=\"https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-10-164536_002.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4734\" srcset=\"https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-10-164536_002.jpeg 585w, https:\/\/www.nnteam.de\/wp-content\/uploads\/signal-2026-02-10-164536_002-300x212.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe Maria meine M\u00fctze aufgesetzt. Sie ist wirklich f\u00fcr jeden Spa\u00df zu haben.<br>Die Kundin wird heute von Onkel Bernd bedient. Er hat sich extra f\u00fcrs Foto dahin gesetzt. Sonst hat er sich nicht oft blicken lassen. Ich glaube sogar, dass es das einzige Mal war. Onkel Bernd war auch Konditor oder B\u00e4cker? Diesen Beruf konnte er nicht mehr aus\u00fcben. Im Krieg hatte er sich bei einem Unfall den Kopf verletzt. Dadurch hat er seinen Geschmacks-Sinn verloren. Das ist nat\u00fcrlich schlecht, wenn man als B\u00e4cker nichts mehr schmecken kann. Er ist dann Polizist geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich \u00e4lter war (so ab 11), sa\u00df meistens ich auf dem Platz hinter dem Schreibtisch. Nachmittags nach der Schule nat\u00fcrlich und wenn ich mit den Hausaufgaben fertig war. Begeistert war ich davon nicht gerade. Vor allem, wenn meine Mitsch\u00fclerinnen sich im Schwimmbad getroffen haben. Aber ich hatte ja nicht jeden Tag Dienst. Nachmittags war ich oft unterwegs zum V\u00f6lkerball spielen. Weil keiner ein Handy hatte, mussten wir uns morgens in der Schule verabreden oder wir fuhren auf gut Gl\u00fcck mit dem Rad zu unserem Treffpunkt. Wenn keiner da war, Pech gehabt.<br>Mein Dienst in der Leihb\u00fccherei hatte auch Vorteile. Wenn gerade keine Kunden da waren, konnte ich lesen soviel ich wollte. Ich hatte mein Buch in die Schublade gelegt. Wenn ein Kunde oder eine Kundin kam, schob ich die Schublade zu und gr\u00fc\u00dfte freundlich. Ich zog die Kundenkarte aus dem Karteikasten und trug dort die B\u00fccher ein, die ausgeliehen wurden. So behielten wir einen \u00dcberblick. Wenn die Kunden ihre Wahl getroffen hatten, stempelte ich das Datum in das vorgesehene K\u00e4stchen ins Buch. Nach 2 oder 4 Wochen mussten die B\u00fccher zur\u00fcck gegeben werden. Genau wei\u00df ich es nicht mehr. Wer zu sp\u00e4t abgab musste Strafe zahlen, 50 Pfennig oder so.<br>Im Lauf der Zeit habe ich alle B\u00fccher gelesen und konnte die Kunden ganz gut beraten. Ich wusste wo alle B\u00fccher zu finden waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle B\u00fccher-Regale hat Opa Erwin gezimmert.<br>Bevor die B\u00fccher verliehen wurden, bekamen sie einen Umschlag aus durchsichtigem Plastik. Die Plastikteile wurden auf eine bestimmte Art ausgeschnitten und vorsichtig aufgeklebt. Das war nicht so einfach und ich freute mich, als ich geschickt genug war und das auch machen durfte. Na, ja, ehrlich gesagt war das auch manchmal l\u00e4stig.<br>Einmal (oder zweimal?) im Jahr wurden die B\u00fccher gewaschen, nicht mit Wasser, sondern mit Schaum. Oma Hedwig r\u00fchrte Sp\u00fclmittel in einen Eimer Wasser. Sie zeigte uns ganz genau, wie wir es machen mussten. Die B\u00fccher durften auf keinen Fall nass werden. Wir mussten den Schwamm im Sp\u00fclwasser so lange eintunken und ausdr\u00fccken, bis nur noch Schaum aus dem Schwamm kam. Dann wischten wir damit die B\u00fccher ab. Die obere Seite wurde nur abgetupft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie versprochen schicke ich euch einige Fotos und Geschichten von Urur-Opas Laden. 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